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FREITAG, 9. NOVEMBER 2001
Konzepte gegen Blaumacher
Bei der Reduzierung von Fehlzeiten ist Ursachenforschung wichtiger als vorschnelle Urteile über vermeintlich simulierende Mitarbeiter
Herbstzeit ist Schnupfenzeit -
einige Mitarbeiter nutzen die Gelegenheit,
eine Krankheit vorzutäuschen.
Leidtragende sind meist ihre Kollegen
Die Zahl der kurzzeitig Kranken verdoppelte sich, als die Höchst AG vor Jahren bei den Arbeitern auf das bis dahin vorgeschriebene Attest für den ersten Krankentag verzichtete. Kein Einzelfall: Der Eindruck, dass es in den Betrieben einige "Blaumacher" gibt, verstärkt sich beim Blick auf die Statistik. Laut Bundesgesundheitsministerium stiegen die krankheitsbedingten Fehlzeiten im ersten Halbjahr 2001 auf den höchsten Wert seit vier Jahren. Im Schnitt lag die Fehlzeitenquote bei 4,39 Prozent. Das sind in sechs Monaten rund 1,2 Milliarden Arbeitsstunden, die nicht geleistet werden. Ein Tiefschlag für den Produktionsstandort Deutschland.
Dabei war die Quote nach dem Rekordhöchststand 1991 (durchschnittlich 26 Krankheitstage jährlich) kontinuierlich zurückgegangen-laut Statistik der Betriebskrankenkassen von 4,6 Prozent (1997) auf 4,4 Prozent (1998) und 4,2 Prozent (1999 und 2000). Damals freuten sich die Arbeitgeber, dass es im Schnitt nur noch 14 Krankheitstage waren. Bei 34 Millionen Arbeitnehmern liefen im Jahr 2000 laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin somit stattliche 476 Millionen Krankentage auf.
Nun schlägt das Pendel wieder zurück. Vor allem die so genannten Brückentage zwischen zwei Feiertagen scheinen auf Mitarbeiter eine ausgesprochen infektiöse Wirkung zu haben. Auffallend zudem:
In 33 Prozent aller Fälle beginnen laut dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen längere Krankheiten stets am Montag. Hingegen treten Kurzfehlzeiten meist am Anfang und am Ende der Woche auf. Die betroffenen Betriebe reagieren. Bereits bei einer Fehlzeitenquote von über fünf Prozent, und die werden in der Produktion fast überall überschritten, lohnt es sich, aktiv zu werden. Die Ludwigshafener BASF AG beispielsweise schult in speziellen Seminaren Betriebsleiter und Meister. "Sie sollen dort lernen, mögliche Ursachen für Ausfallzeiten zu ergründen und Lösungen zu erarbeiten", erläutert Martin Holderbaum, bei BASF verantwortlich für diese Trainings. Ergänzende Mitarbeitergespräche, Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Hilfen der firmeninternen Sozialberatung drückten die Fehlzeitenquote von 6,5 Prozent auf heute vier bis fünf Prozent.
"30 bis 40 Prozent der Fehlzeiten sind motivationsbedingt und lassen sich beeinflussen", bestätigt Fehlzeiten-Spezialist Ehrhard Flato von der Unternehmensberatung Implus. Daher komme es seines Erachtens stark auf die Führungskräfte an, ob sie sich konsequent um die Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter kümmerten. Gehe nämlich der Vorgesetzte die Sache halbherzig an, setze sofort wieder der alte Schlendrian ein.

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